Die Form (Sugata)

Die Silhouette einer Klinge ist das Erste, worauf man schaut, und das, was sie am schnellsten datiert: wo die Krümmung liegt, wie stark sie sich zur Spitze verjüngt, wie groß das Kissaki ist und wie sie in der Hand liegt. Dieses Thema zeigt, wie man diese Merkmale einzeln liest, verfolgt ihre Entwicklung Epoche für Epoche und erklärt, warum die Form, die wir heute an einer alten Klinge sehen, nicht immer die ist, die aus der Schmiede kam: Fast alle großen Kotō-Klingen sind gekürzt, und Jahrhunderte des Polierens verändern die Spitze, die Stärke und sogar die Krümmung.

Wie man eine Klinge betrachtet

Das Sugata (姿), auch Taihai (体配) genannt, ist die Silhouette der Klinge mit ihren Proportionen im Ganzen. Zusammen mit dem Korn des Stahls (Jihada) und der Härtelinie (Hamon) gehört es zu den drei Merkmalen, die man zuerst ansieht, und es sagt am meisten über die Epoche: Selbst eine getreue Kopie des Korns oder des Hamon hinterlässt fast immer einen Hinweis in der Form. Sie dient zuerst der Datierung; danach manchmal dazu, sich einer Schule oder einem Schmied zu nähern.

Die Haltung

Die Klinge wird senkrecht gehalten, mit ausgestrecktem Arm, Angel oder Griff unten. Die Angel muss genau senkrecht stehen: Neigt sie sich, scheint der Punkt der stärksten Krümmung immer zur Mitte zu wandern, und ein Koshizori wird mit einem Toriizori verwechselt. Dasselbe gilt für Fotos in Büchern, die man drehen sollte, bis das Nakago senkrecht steht, bevor man die Krümmung beurteilt. Um zu sehen, ob die Krümmung zur Spitze hin zunimmt (Sakizori), hilft es, die Klinge waagerecht zu halten, das Angelende neben dem Gesicht, und dem Rücken mit dem Blick zu folgen.

Eine Reihenfolge, damit nichts fehlt

Eine offizielle Reihenfolge gibt es nicht. Diese schlägt Markus Sesko als Arbeitsliste für Kantei-Übungen vor, von unten nach oben:

  1. die Länge (Nagasa);
  2. die Krümmung: wie viel und wo (Sori);
  3. die Breite und wie sie sich zur Spitze verjüngt, mit dem Funbari;
  4. die Spitze (Kissaki) und die Kurve ihrer Schneide (Fukura);
  5. der Grat (Shinogi) und die Fläche zwischen Grat und Rücken (Shinogi-ji);
  6. der Rücken (Mune), die Stärke (Kasane) und die Wölbung der Flächen (Niku);
  7. Hohlkehlen und Gravuren (Hi und Horimono);
  8. die Angel, zuletzt.

Das Gewicht in der Hand

Manche Experten sagen Kotō, Shintō oder Shinshintō, sobald sie die Klinge anheben. Die gängige Regel — „leicht, Kotō; schwer und kopflastig, Shinshintō“ — ist eine nützliche Vereinfachung und nicht mehr: Es gibt sehr gesunde Kamakura-Tachi, die schwer sind, und leichte Shintō- oder Shinshintō-Klingen. Das Gewicht gibt einen Hinweis; es datiert nicht.

Drei Klingen mit waagerechter Sehne vom Machi zur Spitze und dem Punkt der größten Stichhöhe rot markiert: nahe der Basis, in der Mitte und zur Spitze hin.
Wo das Sori liegt: 1 Koshizori, größte Stichhöhe nahe der Basis, die Krümmung setzt sich in der Angel fort; 2 Toriizori, mittig; 3 Sakizori, zur Spitze verschoben. Gestrichelt die Sehne vom Machi zur Spitze; rot die größte Stichhöhe. Diagramm: Kantei
Ein langes, schlankes Tachi vor schwarzem Hintergrund, Angel links, die Krümmung nahe der Basis konzentriert, mit kleiner Spitze.
Das Tachi Mikazuki Munechika, Nationalschatz, Nationalmuseum Tokio (80,0 cm, Sori 2,7 cm): die Form der späten Heian-Zeit, schlank, mit tiefem Koshizori, Funbari und Ko-Kissaki. Bildnachweis: National Institutes for Cultural Heritage (ColBase) · CC BY · via Wikimedia Commons

Die Elemente der Form

Jedes Merkmal für sich datiert wenig; datieren lässt erst die Kombination. Hier ist die Liste dessen, was man betrachtet, mit dem, worauf jedes Merkmal gewöhnlich hinweist.

Die Länge

Die Nagasa (長さ) wird in gerader Linie vom Machi bis zur Spitze gemessen. Eine auffallend lange Klinge deutet auf ein ungekürztes Tachi der Kamakura- oder Nanbokuchō-Zeit oder auf ein Shinshintō-Werk; ein Daitō, das kaum länger ist als ein großes Wakizashi, deutet auf die Muromachi-Zeit.

Die Krümmung: wie viel und wo

Das Sori (反り) ist die größte Stichhöhe zwischen dem Rücken und der Sehne vom Machi zur Spitze. Wo sie liegt, zählt ebenso viel wie ihr Maß: Im Lauf der Jahrhunderte wandert der Punkt der stärksten Krümmung von der Basis zur Spitze.

TypWo die Krümmung liegtWann
Koshizori (腰反り)unterhalb der Mitte, oft auf Höhe des Habaki; bei alten Tachi setzt sie sich in der Angel fortHeian und frühe Kamakura-Zeit; Revivals
Koshizori, das sich „nach vorn neigt“, Utsumuku (俯く)die Krümmung nimmt zur Spitze nicht wieder zu: der obere Abschnitt bleibt fast geradespäte Heian- und frühe Kamakura-Zeit
Toriizori (鳥居反り), auch Nakazori (中反り) oder Kyōzori (京反り)um die Mitte, wie der Querbalken eines Toriiab der mittleren Kamakura-Zeit; vorherrschend in der späten Kamakura- und der Nanbokuchō-Zeit; kehrt im Shintō zurück
Sakizori (先反り)nimmt vom Monouchi zur Spitze hin zuKatana der Muromachi-Zeit, umso ausgeprägter, je später; ein leiser Ansatz deutet auf das Ende der Nanbokuchō- oder die frühe Muromachi-Zeit
Uchizori (内反り)zur Schneide hinTantō der Kamakura-Zeit; kann auch Folge der Abnutzung sein
Takenokozori (筍反り)Uchizori mit knapper Fukura, „wie ein Bambusspross“späte Kamakura-Zeit, besonders Norishige
Muzori (無反り)ohne KrümmungTantō mehrerer Epochen

Die Krümmung entsteht schon beim Härten: Die Schneide dehnt sich beim Aushärten aus und biegt die Klinge zum Rücken hin. Doch bei einer voll ausgebildeten Klinge fügt der Schmied absichtlich Krümmung hinzu, über das hinaus, was das Härten ergibt, und diese gewollte Krümmung unterscheidet die Stile.

Breite, Verjüngung und Funbari

Die Breite am Machi (Mihaba, 身幅) wird immer zusammen mit der Breite am Yokote (Sakihaba, 先幅) beurteilt: Was datiert, ist, wie stark sich die Klinge verjüngt.

  • Lang, stark verjüngt und stark gekrümmt: ein Tachi vor der Nanbokuchō-Zeit oder eine Kopie davon.
  • Lang, breit, flach gekrümmt und wenig verjüngt: mittlere Nanbokuchō-Zeit, Keichō-Shintō oder Shinshintō.
  • Starke Verjüngung mit sehr flachem Sori und gedrungener Spitze: Kanbun-Shintō.

Das Funbari (踏ん張り), „breitbeinig dastehen“, ist die Verbreiterung der Klinge in den ersten Zentimetern über dem Machi — Sesko spricht von 4 bis 5 cm —, an der Schneide und am Rücken. Es ist keine Breite: Eine breite Klinge, die sich gleichmäßig verjüngt, hat kein Funbari; es zählt der Rhythmus der Verjüngung an der Basis. Es existiert nur bei ungekürzten (Ubu-)Angeln und geht mit dem Machi-okuri, mit dem Suriage und mit wiederholtem Polieren verloren, vor allem auf der Rückenseite. Deshalb darf eine Klinge, die es bewahrt, als ungekürzt und in ihrer ursprünglichen Form gelten. Es erklärt sich zum Teil aus dem Yaki-otoshi (焼き落とし): Die Härtung begann ein Stück über dem Machi, und der Schmied verbreiterte die Basis, um diesen ungehärteten Abschnitt auszugleichen.

Die Spitze und die Fukura

KissakiAussehenWorauf es gewöhnlich hinweist
Ko-Kissaki (小切先)kleinje kleiner, desto älter; Heian und frühe Kamakura-Zeit
Chū-Kissaki (中切先)mitteldas häufigste in allen Epochen
Ō-Kissaki (大切先)langNanbokuchō, Keichō-Shintō, Shinshintō
Ikubi-Kissaki (猪首切先)kurz und breit, „Wildschweinnacken“mittlere Kamakura-Zeit, in der Linie breiter, robuster Tachi
Kamasu-Kissaki (魳切先)fast ohne Fukura, „Barrakudakopf“Jōkotō und sehr frühes Kotō oder deren Nachbildungen

Vorsicht mit dem Etikett „Ō-Kissaki“: Viele so beschriebene Nanbokuchō-Klingen haben Spitzen, die kaum größer sind als ein verlängertes Chū-Kissaki, teils wegen des Polierens. In den Werkstätten heißt es, eine offizielle Regel zum Messen des Kissaki gebe es nicht: Der Typ wird nach Augenmaß bestimmt, im Verhältnis zur Breite der Klinge. Dieselben Werkstätten nutzen eine Faustregel, die die Länge der Spitze mit der Breite der Klinge am Yokote vergleicht: unter dem 1,5-Fachen dieser Breite ist die Spitze kurz, vom Ikubi-Typ; zwischen dem 1,5- und dem 2-Fachen ist sie ein Chū-Kissaki; über dem 2-Fachen ein Ō-Kissaki. Sie hilft bei der Orientierung, entscheidet aber keinen Streit.

Die Fukura (ふくら) ist die Kurve der Schneide innerhalb der Spitze. Voll heißt sie Fukura tsuku (ふくら付く), knapp Fukura kareru (ふくら枯れる). Knapp ist sie bei den Tantō von Samonji und des Sue-Sōshū, bei Katana der späten Muromachi-Zeit, beim Ōei-Bizen und in der Kiyomaro-Schule, und sie hilft, ein Ōei-Bizen nicht mit einem Kamakura-Bizen zu verwechseln. Aber die Fukura lässt sich beim Polieren leicht nacharbeiten: Eine knappe Fukura kann ursprünglich oder eine Reparatur sein. Der Punkt, an dem sich Yokote, Shinogi und Ko-Shinogi treffen, ist das Mitsukado (三つ角).

Shinogi und Shinogi-ji

Ein hohes Shinogi mit ausgeprägt rautenförmigem Querschnitt ist typisch für Yamato und verwandte Schulen (Uda, Mihara, Niō, Naminohira), für Sue-Bizen und Sue-Seki sowie für alle Naginata und Nagamaki und ihre Umarbeitungen. Ein niedriges Shinogi ist typisch für Bizen und Sōshū (Ichimonji, Osafune der mittleren Kamakura-Zeit, Kozori) und für Tsuda Sukehiro. Ein breites Shinogi-ji ist Yamato; ein schmales Sōshū und Yamashiro.

Rücken, Stärke und Niku

  • Der flache Rücken, Kaku-Mune (角棟), kommt fast nur an alten Klingen vor; der gerundete, Maru-Mune, an alten Klingen und in einigen Schulen (Ko-Bizen, Aoe); das zweiseitige Iori-Mune ist in Yamato hoch und in Bizen niedrig; das dreiseitige Mitsu-Mune findet sich im Sōshū und bei Tantō aus Yamashiro.
  • Das Kasane (重ね) ist genau genommen die am Rücken gemessene Stärke. Mit hohem Shinogi wirkt eine Klinge dick, auch wenn ihr Kasane dünn ist. Es ist ein Schlüssel zur Datierung: Die mittlere Nanbokuchō-Zeit hat ein für ihre Größe sehr dünnes Kasane, und ihre Keichō-Shintō- und Shinshintō-Kopien geben die Silhouette gut wieder, aber mit etwas dickerem Kasane. Ein abrupter Abfall der Stärke zur Spitze statt einer gleichmäßigen Verdünnung verrät starkes Polieren im Monouchi.
  • Das Niku (肉) ist die Wölbung der Flächen: Hira-Niku (平肉) die der ganzen Fläche, Ha-Niku (刃肉) die im Schneidenbereich. Volles Niku ist typisch für die Kamakura-Zeit, und seine bis fast zur Schneide volle Variante ist das Hamaguri-ba (蛤刃), die „Muschelschneide“. Das Niku nimmt mit der mittleren Nanbokuchō-Zeit und ihren Nachahmungen ab. Volles Niku hält harten Zielen besser stand; eine flache Fläche schneidet gut in weichem Material, aber mit empfindlicherer Schneide. Einer Kamakura-Klinge ohne Not Niku zu nehmen, ist ein Fehler des Polierers. Trotzdem gibt es Polierer, die die Flächen gesunder Klingen flach schleifen, nur weil sie so in der Vitrine stärker glänzen: Die Klinge wirkt prächtiger, verliert aber die Festigkeit, die ihr das Niku gab.
  • Das Ubu-ha (生ぶ刃) ist ein ungeschärfter Abschnitt am Machi. Es zeigt eine ungekürzte, wenig polierte Klinge an; an einer allzu perfekten „Kamakura“-Klinge sollte es den Verdacht einer Kopie wecken.

Eine Spitze für sich: Kissaki-Moroha-Zukuri

Beim Kissaki-Moroha-Zukuri (鋒両刃造) ist der Spitzenabschnitt zweischneidig: Der Rücken der Spitze ist geschärft und gehärtet, anders als beim Kanmuri-Otoshi, das den Rücken nur verdünnt. Man nennt es auch Kogarasu-Zukuri (小烏造), nach dem Kogarasumaru (小烏丸), der Klinge, die den Übergang vom geraden Stichschwert zum gekrümmten Hiebschwert am besten verkörpert: 62,8 cm Nagasa und 1,2 cm Sori, starke Krümmung an der Basis und oben fast keine, eine Ubu-Angel ohne Signatur. Die Überlieferung schreibt sie Amakuni zu und macht sie zu einem Schatz der Taira; sie tauchte 1785 wieder auf, ging an die Sō von Tsushima, die sie 1882 Kaiser Meiji schenkten, und ist heute kaiserlicher Besitz (Gyobutsu, 御物). Ihre Datierung reicht je nach Quelle von der späten Nara- bis zur mittleren Heian-Zeit. Unter den geraden Schwertern des Shōsōin (正倉院) gibt es bereits Beispiele dieser Spitze, und im Bakumatsu und in der frühen Meiji-Zeit wurde sie aus Nostalgie kopiert. Nach der Überlieferung der Werkstätten reicht bei jenen Schwertern des Shōsōin die zweite Schneide etwa 10 cm von der Spitze herab, auf einer Klinge in Kiriha-Zukuri; ab dem 12. Jahrhundert wurde die Form in Kriegerhand selten, überlebte als Zeremonialschwert des Hofes und entwickelte sich zum Kanmuri-Otoshi. Die Werkstätten erklären auch, warum es in Japan kaum eine lange Klinge mit zwei symmetrischen Schneiden gibt: Das Härten krümmt die Klinge zum Rücken hin, und bei zwei gehärteten Schneiden kann sich diese Spannung nirgendwohin lösen.

Drei vergrößerte Klingenbasen: eine mit plötzlicher Verbreiterung über dem Machi, eine breite mit gleichmäßiger Verjüngung und die erste, nachdem ihre Angel gekürzt wurde.
Funbari ist keine Breite: 1 Klinge mit Funbari, die sich in den 4 bis 5 cm über dem Machi verbreitert; 2 breite Klinge mit gleichmäßiger Verjüngung, ohne Funbari; 3 Klinge 1, an der Angel gekürzt: der Abschnitt des Funbari liegt nun in der neuen Angel (gestrichelt der ursprüngliche Umriss). Diagramm: Kantei
Fünf Klingenspitzen mit gleicher Breite am Yokote, von klein bis lang, kurz und breit und eine mit gerader Fukura; darunter zwei Spitzen mit voller und knapper Schneidenkurve.
Die fünf Kissaki bei gleicher Yokote-Breite (die senkrechte Linie): Ko, Chū, Ō, Ikubi und Kamasu. Darunter die Fukura (rot), voll, Fukura tsuku, und knapp, Fukura kareru. Diagramm: Kantei
Fünf Klingenquerschnitte, Rücken oben und Schneide unten, die sich in der Wölbung der Flächen und in der Ausprägung des Grats unterscheiden.
Querschnitte, Rücken oben und Schneide unten: 1 volles Hira-Niku; 2 Hamaguri-ba, voll bis zur Schneide; 3 flache Fläche; 4 niedriges Shinogi; 5 hohes Shinogi. Die waagerechte Linie ist das Shinogi; das Kasane wird am Rücken gemessen. Stärken zur Lesbarkeit übertrieben. Diagramm: Kantei
Eine alte farbige Zeichnung einer gekrümmten Klinge mit weiß gemalter zweischneidiger Spitze, umgeben von japanischen Anmerkungen.
Das Kogarasumaru im „Kogarasumaru tachi no zu“ (小烏丸太刀図), einer Abschrift von 1812 der Zeichnung mit Vorwort von Ise Sadatake: die zweischneidige Spitze, Kissaki-Moroha-Zukuri. Bibliothek der Waseda-Universität. Bildnachweis: Ise Sadatake (prefacio); copia de 1812, Biblioteca de la Universidad de Waseda · Gemeinfrei · via Wikimedia Commons

Die Form Epoche für Epoche

Die Tabellen folgen den Stilstufen aus Markus Seskos Kantei-Reihe, abgeglichen mit der japanischen Wikipedia und dem Geschichtsmuseum der Präfektur Hyōgo. Ihre Daten sind die der Form, nicht der Politik, und decken sich nicht ganz mit denen des Themas „Epochen: von jōkotō bis shinsakutō“. Die Tendenz ist gesichert; die Schmiede jeder Zeile sind nur zwei oder drei Beispiele, und die Maße sind Richtwerte.

Tachi und Katana

Stufe und BezeichnungDie FormBeispiele
Späte Heian-Zeit (11.–12. Jh.) · Yūbi (優美), „anmutig“schlank, stark verjüngt, tiefes Koshizori, das sich zur Spitze neigt und in der Angel fortsetzt, Funbari, Ko-Kissaki; etwa 80 cmSanjō Munechika, Ko-Bizen Tomonari, Hōki Yasutsuna
Frühe Kamakura-Zeit (1185–1232) · Yūsō (優壮), „elegant und kräftig“etwas breiter, mit größerer Spitze, weniger verjüngt; Koshizori noch ausgeprägtAwataguchi Kunitomo, Ko-Ichimonji Norimune, Ko-Aoe Sadatsugu
Mittlere Kamakura-Zeit (1232–1288) · Gōsō (豪壮), „prächtig“länger und breiter, wenig verjüngt, vom Koshizori zum Toriizori, reichlich Niku, volles Chū-Kissaki; daneben eine robustere Linie mit Ikubi-KissakiAwataguchi Kuniyoshi, Fukuoka-Ichimonji Yoshifusa, Osafune Mitsutada
Späte Kamakura – frühe Nanbokuchō-Zeit (1288–1336)noch länger, größere Spitze, Toriizori, dünneres Kasane und weniger NikuRai Kunimitsu, Osafune Kagemitsu, Enju Kunisuke
Mittlere Nanbokuchō-Zeit (1336–1375) · Enbun-Jōji-Sugata (延文・貞治姿)Tachi bis 90 cm und Ōdachi über 120; wenig Verjüngung, knappes Niku, dünnes Kasane, flaches Toriizori, Ō-Kissaki mit knapper Fukura; heute fast alle gekürztHasebe Kunishige, Kanemitsu, Ōmiya Morikage
Späte Nanbokuchō – frühe Muromachi-Zeit (1375–1428) · Ōei-Bizen (応永備前)ein Schritt zurück: flaches Toriizori, stärkeres Kasane, Verjüngung und Chū-Kissaki; am Ende Tachi „nach Kamakura-Art“ mit leichtem SakizoriSanjō Yoshinori, Osafune Morimitsu, Kozori Tsuguyuki
Mittlere Muromachi-Zeit (1428–1467)kürzer, stärker verjüngt, stärkeres Kasane, zunehmendes Sakizori: der Übergang vom Tachi zum KatanaOsafune Norimitsu, Sukemitsu, Toshimitsu
Späte Muromachi-Zeit (1467–1555) · Katate-uchi (片手打ち), für eine Handkurzes Katana von 60 bis 65 cm, leicht verlängertes Chū-Kissaki, breit und wenig verjüngt, dickes Kasane, tiefes SakizoriOsafune Sukesada, Muramasa
Ende der Muromachi-Zeit (1555–1572)wird wieder länger (73–75 cm); breit, dickes Kasane, Sakizori noch deutlichOsafune Sukesada, Kanetsune
Momoyama – frühe Edo-Zeit (1572–1624) · Keichō-Shintō (慶長新刀)Revival des bereits gekürzten Nanbokuchō: 70–75 cm, breit, wenig Verjüngung und wenig Niku, flaches Sori, Ō-Kissaki oder verlängertes Chū-Kissaki, Kasane etwas dicker als bei den OriginalenHorikawa Kunihiro, Echizen Yasutsugu, Hizen Tadayoshi
Frühe Edo-Zeit (1624–1652) · Kan'ei-Shintō (寛永新刀)etwa 70 cm, mäßiges Sori, Verjüngung, Chū-KissakiKunisada, Kunisuke
Fortgeschrittene Edo-Zeit (1652–1688) · Kanbun-Shintō (寛文新刀)etwa 70 cm, starke Verjüngung, flaches Sori, gedrungenes Chū-Kissaki, das zum Ko-Kissaki neigt; eine der am leichtesten erkennbaren FormenInoue Shinkai, Nagasone Kotetsu, Nagasone Okimasa
Mittlere Edo-Zeit (1688–1781) · Genroku-Shintō (元禄新刀)man verlässt das Kanbun: mehr Sori, harmonische Verjüngung, Chū-Kissaki; das „typische“ KatanaIkkanshi Tadatsuna, Yasukuni
Späte Edo-Zeit (1781–1844) · Fukkotō (復古刀)70–75 cm, etwas breiter, sanfte Verjüngung, tiefes Sori, Chū-Kissaki: Rückkehr zur Kamakura-ZeitSuishinshi Masahide, Taikei Naotane, Hosokawa Masayoshi
Bakumatsu – frühe Meiji-Zeit (1844–1876)neues Revival der mittleren Nanbokuchō-Zeit: breit, wenig Verjüngung und wenig Niku, flaches Sori, Ō-Kissaki oder verlängertes Chū-Kissaki, Kasane dicker als bei den OriginalenMinamoto Kiyomaro, Masao, Sa Yukihide
Bakumatsu, Variante · Kinnōtō (勤王刀)lange Klinge von etwa 85 cm, fast ohne Sori, Chū-KissakiSa Yukihide, Saitō Kiyondo

Für das Kanbun-Shintō gibt es zwei Erklärungen, und keine ist bewiesen: Sesko führt es auf eine Fechtkunst zurück, die den Stich dem Hieb vorzog, die japanische Wikipedia auf ein Training, das inzwischen vor allem mit fast geraden Bambusschwertern (Shinai, 竹刀) stattfand.

Tantō und Ko-Wakizashi

StufeDie FormBeispiele
Frühe Kamakura-ZeitHira-Zukuri, leichtes Uchizori, volle Fukura; fast immer unter 24 cmAwataguchi Kunitomo, Awataguchi Hisakuni
Mittlere Kamakura-Zeitdie Standardlänge, Jōsun (常寸), von 25 bis 26 cm, ohne Sori oder mit Uchizori; die ausgewogensten ProportionenAwataguchi Norikuni, Rai Kunitoshi, Shintōgo Kunimitsu
Späte Kamakura-Zeitneben dem Jōsun Tantō von 27 bis 32 cm, breiter und fast ohne Sori; das Hōchō-Tantō (包丁), sehr breit für seine LängeRai Kunimitsu, Masamune, Sadamune
Mittlere Nanbokuchō-Zeitdie Enbun-Jōji-Form im Kleinen: 30 bis 40 cm, breit, volle Fukura, dünnes Kasane, deutliches Sakizori (Sunnobi-Tantō, 寸延短刀)Hiromitsu, Kanemitsu, Aoe Tsugunao
Späte Nanbokuchō – frühe Muromachi-Zeitdas klassische Tantō wird selten; lange Hira-Zukuri-Ko-Wakizashi mit SakizoriOsafune Morimitsu, Nobukuni
Mittlere und späte Muromachi-Zeitbreite Ko-Wakizashi mit tiefem Sakizori; Revival des Kamakura-Tantō (23–26 cm, Uchizori) und Moroha-Zukuri von 20 bis 23 cmKanefusa, Muramasa, Shimada Yoshisuke
MomoyamaEnbun-Jōji-Revival mit Sakizori, vollerer Fukura und dickerem Kasane; breite Katakiriha-ZukuriUmetada Myōju, Horikawa Kunihiro
Edodie Tantō-Produktion sinkt; meist Kopien von Kotō-Stücken, längerNagasone Kotetsu, Mino no Kami Masatsune
ShinshintōEnbun-Jōji-Revival von 39 bis 43 cm und des Kamakura-Tantō, fast immer mit dickerem KasaneMinamoto Kiyomaro, Saitō Kiyondo

Das Wakizashi

Das Wakizashi in Shinogi-Zukuri, „wie ein kleines Katana“, erscheint erst in der Muromachi-Zeit und bleibt bis zur Mitte der Epoche selten. Viele Klingen von knapp unter zwei Shaku aus der Zeit vor Edo wurden als Uchigatana oder Katate-uchi geschmiedet und gelten heute nur ihrer Länge wegen als Wakizashi: Das Etikett einer Beschreibung sagt nicht, wofür die Klinge gemacht wurde.

Neun Klingensilhouetten im gleichen Maßstab, übereinander, vom Heian-Tachi bis zum langen, fast geraden Katana des Bakumatsu.
Neun Formen im gleichen Maßstab, Sehne waagerecht: 1 späte Heian-Zeit; 2 mittlere Kamakura-Zeit, mit Ikubi-Kissaki; 3 ungekürzte mittlere Nanbokuchō-Zeit; 4 dieselbe Form nach einem Ō-Suriage; 5 Katate-uchi der späten Muromachi-Zeit; 6 Keichō-Shintō; 7 Kanbun-Shintō; 8 Fukkotō; 9 Kinnōtō. Maße als Richtwerte. Diagramm: Kantei
Ein breites, langes Tachi auf weißem Tuch, mit vergoldetem Habaki, weiter Krümmung und mittelgroßer Spitze.
Das Tachi „Okadagiri“ von Fukuoka-Ichimonji Yoshifusa, Nationalschatz, Nationalmuseum Tokio: die Gōsō-Form der mittleren Kamakura-Zeit, breit und wenig verjüngt. Bildnachweis: SLIMHANNYA · CC BY-SA · via Wikimedia Commons
Beide Seiten eines Katana vor schwarzem Hintergrund, fast gerade, stark zu einer kleinen Spitze verjüngt.
Katana von Nagasone Okimasa, 17. Jahrhundert, Tokyo Fuji Art Museum: die Kanbun-Shintō-Form mit flachem Sori, starker Verjüngung und gedrungenem Chū-Kissaki. Bildnachweis: Tokyo Fuji Art Museum · CC0 · via Wikimedia Commons
Ein langes, breites Katana in einer Vitrine auf weißem Tuch, wenig gekrümmt und mit langer Spitze.
Katana von Minamoto Kiyomaro, datiert 1850, Jūyō Tōken: das Nanbokuchō-Revival des Bakumatsu, breit, mit flachem Sori und verlängerter Spitze. Bildnachweis: SLIMHANNYA · CC BY-SA · via Wikimedia Commons
Ein langes, breites Tantō auf weißem Ständer, mit vergoldetem Habaki und leichter Krümmung zur Spitze.
Tantō von Aoe Tsugunao aus dem Jahr 1358, Nationalmuseum Tokio: die Enbun-Jōji-Form im Kleinen, lang und breit, mit Sakizori. Bildnachweis: Ihimutefu · CC BY-SA · via Wikimedia Commons

Gekürzte Klingen: Machi-okuri, Suriage und Ō-Suriage

Stahl war teuer, und eine brauchbare Klinge zu kürzen kostete weniger, als eine neue zu schmieden: Das Kürzen ist fast so alt wie die Schmiede. Man kürzte, um die Klinge an ihren Träger anzupassen, an Veränderungen im Kampf — vom Reiter zum Fußsoldaten — und an die Vorschriften der Edo-Zeit. Die Folge für den heutigen Betrachter ist klar: Die meisten erhaltenen Tachi der Kamakura- und Nanbokuchō-Zeit sind gekürzt, und eines in Originallänge ist selten.

Drei Grade der Kürzung

  • Machi-okuri (区送り): Die Kerben des Machi werden nach oben versetzt, ohne die Angel zu schneiden. Die Klinge wird etwas kürzer, die Angel länger und bleibt Ubu (生ぶ), doch das Funbari geht verloren.
  • Suriage (磨上げ): Das Ende der Angel wird abgeschnitten und aus dem unteren Teil der Klinge eine neue gearbeitet, wobei ein Teil der ursprünglichen Angel und oft die Signatur erhalten bleiben.
  • Ō-Suriage (大磨上げ): Die Kürzung ist so stark, dass von der ursprünglichen Angel und der Signatur nichts bleibt.

Um die Angel neu zu formen, werden in der Werkstatt Schneide und Rücken abgetragen und nur eine Seite, die hintere, verdünnt, damit sie sich verjüngt; deshalb endet eine Hohlkehle (Hi), die in die Angel läuft, auf dieser Seite früher. Manchmal muss der Teil des Hamon, der zur Angel wird, mit Hitze enthärtet werden, und das Hamon läuft am neuen Machi aus. Nach Werkstattbrauch wird die neue Feilung gerade (Kiri) gezogen und das Ende gerade abgeschnitten, ganz gleich, wie das Original war, was hilft, Nachgearbeitetes von dem zu trennen, was aus der Schmiede kam; vor dem 16. Jahrhundert ist das keine feste Regel. Im Sprachgebrauch der Werkstätten heißt zudem manchmal jede neu geformte Angel ohne Signatur „Ō-Suriage“, auch wenn nur wenig gekürzt wurde.

Die Signatur retten

Bei einem Ō-Suriage lässt sich die Signatur auf zwei Arten retten: beim Orikaeshi-Mei (折返銘) wird sie auf die andere Seite umgeschlagen und steht dann auf dem Kopf; beim Gaku-Mei (額銘), auch Tanzaku-Mei (短冊銘), wird sie als Plakette ausgeschnitten und in die neue Angel eingelassen. Gekürzte Angeln tragen zudem häufig eine in Gold eingelegte Zuschreibung (Kinzōgan-Mei, 金象嵌銘).

Tenshō-Suriage und Keichō-Suriage

Das sind moderne Bezeichnungen für die Ō-Suriage jener beiden Ären, als nach Sesko die Oberschicht — von Oda Nobunaga bis Hideyoshi — Sōshū- und Sōden-Bizen-Werke der Nanbokuchō-Zeit suchte, um sie gekürzt als Uchigatana zu tragen. Im Detail widersprechen sich die Quellen; gemeinsam ist ihnen dies: Beim Tenshō-Suriage wurde das Angelende sorgfältig ausgearbeitet, damit es ursprünglich wirkte, beim Keichō-Suriage wurde die wenig verjüngte Angel gerade abgeschnitten.

Woran man ein Ō-Suriage erkennt

  • Die Form. Nach Werkstattbrauch sind bei einem echten Ō-Suriage mindestens etwa 10 cm abgeschnitten, und eine solche Kürzung nimmt das Funbari mit: Die Basis verliert ihre Verbreiterung, und die Klinge wirkt in der Mitte breiter als am Machi. Ein „Ō-Suriage“, das ein kräftiges Funbari bewahrt, wurde wahrscheinlich wenig oder gar nicht gekürzt.
  • Das Hamon am Machi. Nach Auskunft der Werkstätten läuft bei einem Ō-Suriage die ursprüngliche Härtung in die neue Angel hinein oder verblasst durch die Hitze beim Kürzen. Doch ein Hamon, das am Machi ausläuft, beweist für sich allein nichts: Auch der Schmied erwärmte die Angel nach dem Härten erneut.
  • Das Utsuri. Beginnt es nahe am Machi, wurde die Klinge nach Erfahrung der Werkstätten wenig gekürzt.
  • Die weggefeilte Signatur. In den Werkstätten ist von ungekürzten Klingen die Rede, deren Signatur weggefeilt wurde, um sie als Ō-Suriage eines berühmteren Schmieds auszugeben: Man hat Werke von Sekido gesehen, die als Ichimonji, von Echizen Yasutsugu, die als Masamune, und von Mihara, die als Rai galten. Es gibt dokumentierte Fälle später zurückgezogener Signaturen und Zuschreibungen.

Andere Arten, eine Klinge umzuarbeiten

Eine Klinge mit abgebrochener Spitze kann neu geformt werden, indem man den Rücken stark abträgt: Es entsteht eine trockene, spitze Spitze, manchmal mit nachträglicher Shōbu-Zukuri-Form und einem zum Yakizume gewordenen Bōshi, und da sich das Machi kaum verschiebt, behalten viele ihre Signatur. Fachleute nennen das Satsuma-age (さつまあげ), ein junger Begriff. Umarbeitungen von Stangenwaffen, Naginata-Naoshi (薙刀直し) und Nagamaki-Naoshi (長巻直し), haben ein eigenes Aussehen: Sakizori oder Nakazori und Unokubi-, Kanmuri-Otoshi- oder Shōbu-Formen; Nagamaki-Naoshi haben meist ein nachgearbeitetes Yokote und Bōshi, Naginata-Naoshi oft keines von beiden. Siehe „Klingentypen“.

Vier Angeln übereinander: die ursprüngliche mit Signatur, eine mit hochgesetzten Kerben, eine gekürzte mit der Signatur am Fuß und eine ganz neu gearbeitete mit goldener Plakette.
Vom Ubu zum Ō-Suriage: 1 Ubu-Angel mit ihrer Signatur; 2 Machi-okuri, die Kerben wandern nach oben, die Angel bleibt unberührt; 3 Suriage, das Ende wird abgeschnitten (rot) und die Signatur steht am Fuß der neuen Angel; 4 Ō-Suriage, ganz neue Angel, das Hamon läuft hinein, zusätzliche Löcher und eine Zuschreibung in Gold. Gestrichelt der ursprüngliche Umriss. Diagramm: Kantei
Ein Katana in einer Vitrine, mit kurzer dunkler Angel links, vergoldetem Habaki und breiter Klinge mit verlängerter Spitze.
Das Katana „Ishida Masamune“, Wichtiges Kulturgut, Nationalmuseum Tokio: ein Tachi des 14. Jahrhunderts, durch Ō-Suriage zum Katana geworden. Bildnachweis: SLIMHANNYA · CC BY-SA · via Wikimedia Commons
Ein breites Katana mit Hohlkehlen und einer Gravur neben dem Habaki, rechts eine kurze, unsignierte Angel.
Das Katana „Kiriha Sadamune“, unsigniert, 14. Jahrhundert, Wichtiges Kulturgut: eine gekürzte Nanbokuchō-Klinge mit neu gearbeiteter Angel. Bildnachweis: Kakidai · CC BY-SA · via Wikimedia Commons

Wenn sich die Form von selbst ändert: Polieren, Abnutzung und Reparaturen

Die Form, die wir an einer alten Klinge sehen, schließt Jahrhunderte des Gebrauchs und des Polierens ein. Jede Politur nimmt Stahl weg, und zwar ungleichmäßig: Die dünne, exponierte Spitze verliert mehr als die Basis. Einige Folgen sind gut belegt; andere sind Werkstatt-Hypothesen, die man als solche behandeln sollte.

  • Das Uchizori der Tantō. Wiederholtes Polieren trägt die dünne Spitze eines Tantō zuerst ab und kann Uchizori erzeugen oder verstärken: Ein Tantō ohne Uchizori ist meist gesünder.
  • Die Spitze. Durch Gebrauch und Polieren rundet sich die Schneide der Spitze ab, und das Yokote wandert zur Angel hin. In den Werkstätten heißt es, viele kleine Spitzen der Heian- und frühen Kamakura-Zeit seien ursprünglich trockener gewesen, vom Kamasu-Typ, und die Form, die wir sehen, sei zum Teil Abnutzung. Doch die Beziehung gilt auch umgekehrt: Eine sehr trockene Spitze kann die Folge einer Restaurierung sein, die viel Material abgetragen hat. Beides kann zutreffen. Nach denselben Werkstätten sieht man ursprüngliche Kamasu-Spitzen vor allem an Klingen, die kaum benutzt wurden – an solchen, die Tempeln und Schreinen geweiht wurden, bevor man sie trug, etwa an einem Ichimonji-Tachi aus dem Besitz der Uesugi.
  • Die Krümmung. Eine abgebrochene Spitze durch Abtragen des Rückens zu reparieren, verringert die Krümmung nahe der Spitze. In den Werkstätten hat man zudem beobachtet, dass die Abnutzung das Gegenteil des Härtens bewirkt: Die Krümmung entsteht aus der Spannung der gehärteten Schneide, und wenn die gehärtete Zone durch das Polieren schrumpft, nimmt das Sori ab, vor allem oben, wo sich die Klinge am stärksten abnutzt. Das Ergebnis ist nach diesen Werkstätten ein ausgeprägteres Koshizori: Die Krümmung, die wir heute an einem Heian-Tachi sehen, ist echt, enthält aber etwas Abnutzung.
  • Stärke und Breite. Die Werkstätten erklären es so: Bei einer neuen Klinge ist das Machi die dickste Stelle. Das Polieren verdünnt und verschmälert die Klinge, nicht aber die Angel, sodass die dickste Stelle zur Angel wandert, das Machi an Tiefe verliert und der Bereich des Habaki einzusinken scheint; verschwindet das Machi ganz, muss es mit der Feile neu geschnitten werden. Ein abrupter Abfall der Stärke im Monouchi verändert zudem die Balance der Klinge.
  • Die Flächen. Jede Politur senkt das Niku. Ein guter Polierer versucht, die ursprüngliche Geometrie zu bewahren; ein schlechter macht die Flächen flach. Eine Werkstatt hat das an zwei Schwesterklingen desselben Schmieds belegt, gleich geschmiedet und von derselben Person poliert: Die maßvoll polierte verlor 138 g und kaum 0,2 mm Stärke am Yokote; die überpolierte verlor 270 g, und ihre Stärke am Yokote sank von 6,0 auf 3,8 mm.

Polierer wissen: Eine gründliche Neupolitur kann die Geschichte der Form auslöschen — ein durch Gebrauch gewellter Rücken, der gerade gerichtet wird, eine abgebrochene Spitze, die neu geformt wird —, und das Polieren verändert das Erscheinungsbild von Hamon und Korn, wenn auch nicht die tatsächliche Härtung.

Zwei Details einer Klinge, Basis und Spitze, mit dem ursprünglichen Umriss gestrichelt und dem heutigen gefüllt: flacheres Machi, gerundete Spitze und tiefer liegendes Yokote.
Die abgenutzte Form, als Werkstatt-Hypothese: 1 gestrichelt, die Klinge, wie sie aus der Schmiede kam, mit tiefem Machi und trockener Spitze mit hohem Yokote; 2 dieselbe nach Jahrhunderten des Polierens: schmaler, flaches Machi, gerundete Spitze und tieferes Yokote. Diagramm: Kantei

Was die Form datiert und was nicht

Die Form ist das beste Werkzeug zur Datierung, aber sie hat Grenzen, die man kennen sollte, bevor man sich auf sie verlässt.

Ein verzerrter Bestand

Aus der Kamakura-Zeit haben fast nur Klingen berühmter Schmiede für hochrangige Auftraggeber ungekürzt überlebt. Zudem muss man zwischen Kriegs-Tachi (Hyōjō no Tachi, 兵仗太刀) und zeremoniellen Tachi (Gijō no Tachi, 儀仗太刀) unterscheiden, und zwischen denen von Höflingen, Kriegern, Tempelschätzen und einfachen Soldaten: Was wir sehen, ist die Spitze des Eisbergs. Das Ō-Kanehira, ein ungewöhnlich breites Heian-Tachi, erinnert daran, dass nicht einmal eine Epoche nur eine Form hatte.

Schmiede mit zwei Formen

Bis zur mittleren Nanbokuchō-Zeit fertigten manche Schmiede — Rai Kunitoshi, Osafune Nagamitsu, Kagemitsu, Kanemitsu, die Enju-Schule — sowohl die Form ihrer Zeit als auch eine klassische nach Art der Heian- oder frühen Kamakura-Zeit. Eine „alte“ Form garantiert keine alte Klinge.

Kopien und Revivals

Keichō-Shintō und Shinshintō ahmen die Silhouette der Nanbokuchō-Zeit gut nach, aber mit dickerem Kasane: Dort sollte man zuerst hinsehen. Die Shinshintō-Schmiede der Schule von Masahide und Naotane kopierten auch Yamashiro, mit Funbari, und Bizen, mit Koshizori.

Frühe Datierungen, die die Form widerlegt

Viele Schmiede wurden in Dokumenten vor der Edo-Zeit in zu frühe Ären datiert: Munechika um Eien (987–989), Yasutsuna um Daidō (806–810). Die erhaltenen Klingen stützen das nicht. Die voll ausgebildete Klinge — Shinogi-Zukuri mit gewollter Krümmung — gehört an den Übergang vom 10. zum 11. Jahrhundert, und diese Schmiede sind besser in der späten Heian-Zeit anzusiedeln.

Zeitgeist-Erklärungen: Hypothesen, keine Ursachen

Es liegt nahe, jede Form als Porträt ihrer Zeit zu lesen: das Ikubi-Kissaki als Kriegergeist, das Ō-Kissaki als Prunk der Nanbokuchō-Zeit, die Schlankheit der Heian-Zeit als höfische Eleganz. Das sind Deutungen. Die Datierung des Ikubi-Kissaki — mittlere Kamakura-Zeit, in einer Linie robuster Tachi, die neben einer schlankeren bestand — ist gut gesichert; seine Ursache nicht: Manche verbinden es mit dem Jōkyū-Krieg von 1221, andere sehen darin den nüchternen, robusten Geschmack der Kriegerschicht von Kamakura. Ebenso sieht Sesko die Spur der Mongoleneinfälle in weniger Niku, dünnerem Kasane und längerer Spitze, aber als indirekte Beziehung, die sich erst drei oder vier Jahrzehnte später zeigt.

Ein sehr langes Tachi auf weißem Tuch, Angel links, mit breiter Klinge und kleiner Spitze.
Das Tachi Ō-Kanehira, Nationalschatz, Nationalmuseum Tokio (89,2 cm): eine ungewöhnlich breite Heian-Klinge, die daran erinnert, dass nicht einmal eine Epoche nur eine Form hatte. Bildnachweis: SLIMHANNYA · CC BY-SA · via Wikimedia Commons